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Artikel zum Thema TV

6.
Okt

MTV wird Pay-TV

MTV ändert seine Strategie. Ab Januar wird der Pionier unter den Musiksendern nur noch über kostenpflichtige Abonnements zu empfangen sein. Ein Schritt, der mit großen Risiken behaftet ist. Die Beispiele Premiere, DF1, Media Vision, Kabel Digital, Telekom-Entertain und Sky zeigen, dass das Pay-TV in Deutschland immer noch nicht Fuß gefasst hat. Und das trotz diverser Vorzüge, wie Live-Fußball, werbefreier Formel 1, einem großen Filmangebot sowie etlichen Spartenkanälen. Trotzdem liegen die Abonnenten-Zahlen der Anbieter bereits seit Jahren unter den Erwartungen. Es mag einerseits am Preis liegen. Die Bereitschaft, für zusätzliche Fernsehsender zu zahlen, ist aus verschiedenen Gründen eher gering. So fallen für den Fernsehempfang bereits ca. 17 Euro GEZ-Gebühr an. Wer Kabelfernsehen nutzt, für den kommt in etwa die gleiche Summe noch einmal oben drauf. Hinzu kommt ein sehr breit gefächertes TV-Angebot, mit zahlreichen Free-TV-Sendern im öffentlich-rechtlichen und privaten Bereich. Viele Großereignisse, wie die Olympischen Spiele oder die Fußball-WM, werden kostenlos gezeigt. ARD und ZDF haben mehrere digitale Spartenkanäle auf den Weg gebracht – gratis. Für Serien- und Filmfans gibt es eine Fülle von Privatsendern. Zwar muss man hier und da mit teils Nerv tötender Werbung leben – aber für viele immer noch eher zu verschmerzen, als 20-40 Euro für ein Abonnement zu zahlen. So verwundert es nicht, dass Premiere im Sog der Kirch-Pleite nur knapp der Insolvenz entkam. Mit “Sky” erhielt Premiere im vergangenen Jahr einen neuen Namen. Doch die alten Probleme ist man nicht los geworden: Zu wenige Kunden, zu hohe Kosten. Einzig dem Entertain-Angebot der Deutschen Telekom wird eine gewisse Zukunftschance eingeräumt. Hier sind die Voraussetzungen jedoch anders, da ein starker Mutterkonzern dahinter steckt sowie neben TV auch Internet, Telefonanschluss und Mobilfunk aus einer Hand angeboten werden.

Nun wagt mit MTV also ein Urgestein den Wechsel in das Bezahlfernsehen. Viva, wie MTV ebenso eine Tochtergesellschaft des Medienkonzerns Viacom, wird im Free-TV verbleiben und zukünftig als Werbeplattform und Wiederholungs-Sammelsurium des “Premium-Angebotes” MTV dienen. Quasi eine Art “Appetitanreger”, der zum Abo verleiten soll. Ob diese Strategie aufgehen wird, steht in den Sternen. Mit Musik hatte MTV in letzter Zeit nicht mehr viel am Hut. Soaps und Society-Dokumentationen von fragwürdigem Wert wurden in den letzten Jahren allenfalls mit Musik ergänzt. Insofern werden sich Musikfans wohl erst einmal nicht darum reißen, nur wegen MTV ein Pay-TV-Abo zu ordern. Sicher wird das Bezahlangebot mit ausreichend Musik ausgestattet sein. Aber wenn wir ehrlich sind: Wer Musik hören (und sehen) möchte, der geht ins Internet…

18.
Jul

League of Balls – Fremdschämen inklusive

Zur Abwechslung erscheint heute ein Artikel abseits der Politik. Nicht weil ich mir das unbedingt für heute vorgenommen hatte – nein, ich konnte einfach nicht anders! Denn am vergangenen Samstagabend bin ich zufällig zur späten Abendstunde am neuesten Pro7-Gassenhauer “League of Balls” hängengeblieben – moderiert von Charlotte Engelhardt. Manchmal kann man eben einfach nicht wegsehen… Das Wort “Hängengeblieben” trifft dabei schon sehr treffend das ganze Konzept der Sendung. Und Fremdschämen gibt’s gleich noch kostenlos dazu. Aber eins nach dem anderen…

In “League of Balls” gilt es zu beweisen ein “echter Mann” zu sein. Konkret müssen sich männliche Zeitgenossen abseits unserer Bildungselite dazu einer Mutprobe stellen, damit sie in den “Club der coolen Kerle” Einlass erhalten, in dem Frauen gleichen Bildungsstandes tanzend den Härtesten der Harten des Abends erwarten. Soweit so gut – wären da nicht die Mutproben. Während das Ertragen eines Bodychecks durch Eishockeyspieler das Adjektiv “mutig” wenigstens ansatzweise erfüllt und das Cheerleadern im Borat-Kostüm eher amüsiert kam es anschließend richtig dicke! Ein Kandidat erhielt die Aufgabe, in einem Restaurant ungefragt neben ihm unbekannten Menschen Platz zu nehmen, dort sein Lunchpaket zu verzehren und anschließend vom Essen des Tischnachbarn zu kosten – selbstverständlich ohne Einverständnis des Bestohlenen. Das Ganze gipfelte darin, dass das gekostete Essen auch wieder auf den Teller des Tischnachbarn ausgespuckt werden musste – was auch geschah. Hier wurde dem guten Geschmack im wahrsten Sinne des Wortes und in höchstpeinlicher Weise endgültig die Grundlage entzogen.

Man fragt sich jetzt vielleicht, warum das Ganze? Vielleicht verdient Pro7 Unsummen an den eingehenden SMS. Mit Hilfe dieser stimmen die Zuschauer darüber ab, ob der Kandidat die Voraussetzungen eines echten Mannes erfüllt. Tut er dies, darf er neben den anderen ebenfalls äußerst mutigen Kandidaten des Abends platznehmen und die finale Abstimmung über den Tagessieger abwarten.
Ja richtig, Tagessieger. Denn Pro7 plant nicht nur eine Ausgabe dieser Art des Bildungsfernsehens. Am Ende der Staffel gibt es dann den wahren Meister von “League of Balls”. Ob es allerdings wirklich so weit kommt bleibt abzuwarten und uns hoffentlich erspart. Denn die Einschaltquoten der Premierensendung waren glücklicherweise eher mau. Ich werde beim nächsten Mal auch nicht einschalten – versprochen!