MTV wird Pay-TV
MTV ändert seine Strategie. Ab Januar wird der Pionier unter den Musiksendern nur noch über kostenpflichtige Abonnements zu empfangen sein. Ein Schritt, der mit großen Risiken behaftet ist. Die Beispiele Premiere, DF1, Media Vision, Kabel Digital, Telekom-Entertain und Sky zeigen, dass das Pay-TV in Deutschland immer noch nicht Fuß gefasst hat. Und das trotz diverser Vorzüge, wie Live-Fußball, werbefreier Formel 1, einem großen Filmangebot sowie etlichen Spartenkanälen. Trotzdem liegen die Abonnenten-Zahlen der Anbieter bereits seit Jahren unter den Erwartungen. Es mag einerseits am Preis liegen. Die Bereitschaft, für zusätzliche Fernsehsender zu zahlen, ist aus verschiedenen Gründen eher gering. So fallen für den Fernsehempfang bereits ca. 17 Euro GEZ-Gebühr an. Wer Kabelfernsehen nutzt, für den kommt in etwa die gleiche Summe noch einmal oben drauf. Hinzu kommt ein sehr breit gefächertes TV-Angebot, mit zahlreichen Free-TV-Sendern im öffentlich-rechtlichen und privaten Bereich. Viele Großereignisse, wie die Olympischen Spiele oder die Fußball-WM, werden kostenlos gezeigt. ARD und ZDF haben mehrere digitale Spartenkanäle auf den Weg gebracht – gratis. Für Serien- und Filmfans gibt es eine Fülle von Privatsendern. Zwar muss man hier und da mit teils Nerv tötender Werbung leben – aber für viele immer noch eher zu verschmerzen, als 20-40 Euro für ein Abonnement zu zahlen. So verwundert es nicht, dass Premiere im Sog der Kirch-Pleite nur knapp der Insolvenz entkam. Mit “Sky” erhielt Premiere im vergangenen Jahr einen neuen Namen. Doch die alten Probleme ist man nicht los geworden: Zu wenige Kunden, zu hohe Kosten. Einzig dem Entertain-Angebot der Deutschen Telekom wird eine gewisse Zukunftschance eingeräumt. Hier sind die Voraussetzungen jedoch anders, da ein starker Mutterkonzern dahinter steckt sowie neben TV auch Internet, Telefonanschluss und Mobilfunk aus einer Hand angeboten werden.
Nun wagt mit MTV also ein Urgestein den Wechsel in das Bezahlfernsehen. Viva, wie MTV ebenso eine Tochtergesellschaft des Medienkonzerns Viacom, wird im Free-TV verbleiben und zukünftig als Werbeplattform und Wiederholungs-Sammelsurium des “Premium-Angebotes” MTV dienen. Quasi eine Art “Appetitanreger”, der zum Abo verleiten soll. Ob diese Strategie aufgehen wird, steht in den Sternen. Mit Musik hatte MTV in letzter Zeit nicht mehr viel am Hut. Soaps und Society-Dokumentationen von fragwürdigem Wert wurden in den letzten Jahren allenfalls mit Musik ergänzt. Insofern werden sich Musikfans wohl erst einmal nicht darum reißen, nur wegen MTV ein Pay-TV-Abo zu ordern. Sicher wird das Bezahlangebot mit ausreichend Musik ausgestattet sein. Aber wenn wir ehrlich sind: Wer Musik hören (und sehen) möchte, der geht ins Internet…






