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Artikel zum Thema Soziale Gerechtigkeit

30.
Okt

Der Mindestlohn ist konsensfähig

Ausstieg aus der Kernenergie? Erledigt! Allgemeine Wehrpflicht? Faktisch abgeschafft! Gesetzlicher Mindestlohn? Er kommt! Gleicher Lohn für Zeitarbeiter und Stammbelegschaft? Dito! Diese Themen standen einst beispielhaft für den Gegensatz zwischen Schwarz-Gelb sowie dem derzeit oppositionellen Lager aus SPD, Grünen und Linkspartei. Doch diese Abgrenzung scheint Geschichte zu sein. Erst vor wenigen Wochen hat sich die FDP, wenn auch verklausuliert, für die Einführung einer allgemeinen gesetzlichen Lohnuntergrenze ausgesprochen. Jetzt zieht auch die CDU nach. Und trotz mancher bestehender Spannungen ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die bayerische CSU ihrer Schwesterpartei folgen wird.

Bereits auf dem nächsten Parteitag der Christdemokraten im November soll ein entsprechender Beschluss erfolgen. Mit Widerstand wird kaum gerechnet. Die Gegnerschaft hat sich in den letzten beiden Jahren deutlich reduziert. Sicherlich ist dies auch eine Folge einer andauernden Diskussion über Niedrig- und Dumpinglöhne. Eine Kommission soll nun im kommenden Jahr Vorschläge ausarbeiten, wie das Vorhaben in die Tat umgesetzt werden soll. Orientieren wird man sich wohl am derzeitigen Lohnniveau der Zeitarbeitsbranche. Das würde faktisch zu einem Mindestlohn von in etwa 6,90 Euro (Ost) bzw. 7,80 Euro (West) führen. Darüber hinaus soll auch in einem Abwasch die Gleichstellung der Zeitarbeiter im Vergleich zu direkt angestellten Arbeitnehmern erfolgen. Dieses Vorhaben überlässt man vorerst den jeweiligen Tarifparteien. Sollte eine Einigung ausbleiben, so ist auch hier die Einsetzung einer Kommission geplant.

Es geht nur noch um die Höhe einer Lohnuntergrenze

Man kann darüber streiten, ob ein Mindestlohn sinnvoll erscheint oder nicht und ob er auch negative Effekte nach sich ziehen könnte. Je nach Standpunkt gibt es Argumente dafür oder dagegen. Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, irgendwo in der Mitte. Unbestritten ist, dass ungerecht niedrigen Löhnen, die zum Leben kaum mehr ausreichen, der Garaus gemacht werden muss. Was jedoch aus Sicht der CDU hiermit auch erreicht werden soll, ist offensichtlich: Man möchte dem Thema unbedingt die Schärfe entziehen, die eine Diskussion im Hinblick auf die nächste Bundestagswahl mit sich bringen würde. Denn eine Mindestlohndebatte war und ist vorprogrammiert. Bislang ging es hauptsächlich um ein grundsätzliches Pro oder Contra. Diese Front ist jetzt erst einmal gefallen. Nun wird man allenfalls noch um die Höhe einer Lohnuntergrenze streiten. Die Spannbreite reicht von den genannten 6,90-7,80 Euro (CDU), über 7,50 Euro (SPD) bis zu 10 Euro (Die Linke). Festzuhalten bleibt, dass Mindestlöhne nun konsensfähig geworden sind. Da spielt es auch keine Rolle mehr, dass die Christdemokraten im Eiltempo einen Grundsatz nach dem anderen über Bord werfen und dass bisher vorhandene Unterschiede in der politischen Farbenlehre immer mehr verschwinden. Denn in diesem Fall erscheint eine Übereinkunft von CDU-Schwarz bis Linke-Rot durchaus im Sinne vieler Bürgerinnen und Bürger zu sein. Man korrigiert damit auch Fehler der vergangenen Dekade, in der sowohl Tarifpartner als auch die großen deutschen Parteien schlecht bezahlter Leiharbeit und Dumpinglöhnen Tür und Tor geöffnet haben. Der Mindestlohn, den über Jahrzehnte niemand gebraucht hat, wird somit wohl zu einem gesellschaftlichen Muss, weil das Versagen von einst kaum anders ausgebügelt werden kann.

19.
Feb

Gesetzlicher Mindestlohn – Fluch oder Segen?

Für die Linken ist er elementarer – wenn nicht gar ideologischer – Bestandteil der eigenen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Grüne und SPD sind nachträglich auf den Zug aufgesprungen. Die FDP ist strikt dagegen; die Union ziert sich – lehnt ihn aber mehrheitlich eher ab. Es ist die Debatte um einen allgemein gültigen gesetzlichen Mindestlohn für Arbeitnehmer, die den nächsten Bundestagswahlkampf dominieren könnte. Die Befürworter betrachten ihn als Allheilmittel, der die gröbsten sozialen Missstände unserer Gesellschaft beseitigen könnte. Die Gegner sehen in ihm einen massiven Eingriff in die deutsche Tarifautonomie und befürchten negative Effekte für den deutschen Arbeitsmarkt.

Was dafür spricht

Die Löhne in Deutschland sind vollends aus dem Ruder geraten. Viele Arbeitnehmer müssen zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts den eigenen Lohn durch staatliche Zuschüsse (Hartz-IV) aufstocken lassen. Wohlgemerkt reden wir hier nicht nur von Teilzeitkräften oder den klassisch schlecht bezahlten Berufen wie Krankenschwester oder Frisör. Immer öfter sind davon auch Bürotätigkeiten betroffen, denen eine entsprechende kaufmännische Ausbildung vorangegangen ist. Heutzutage erhalten Berufseinsteiger nicht selten deutlich weniger Geld als die etablierten Kollegen – und das trotz gleicher oder vergleichbarer Arbeit. Auf kräftige Lohnerhöhungen muss oftmals ebenso verzichtet werden. Die Drohung, ansonsten Arbeitsplätze zu streichen oder ins günstigere Ausland zu verlagern, lässt selbst standhafte Betriebsräte und Gewerkschaften einknicken. Derartige Zustände sind in einem Sozialstaat unerträglich. Da gutes Zureden bei den Arbeitgebern nicht sonderlich viel verändern wird, ist es an der Zeit, dass eine gesetzliche Lohnuntergrenze geschaffen wird. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, niedrige Löhne aus Steuer- und Abgabengeldern, zu subventionieren. An dieser Stelle entziehen sich die Unternehmen ihrer sozialen und moralischen Verantwortung, die auch darin besteht, dass Arbeit angemessen entlohnt werden muss. Wer arbeitet, der muss von seinem Einkommen auch vernünftig Leben können, ohne auf anderweitige Unterstützung oder eine Nebentätigkeit angewiesen zu sein. Anderenfalls drohen uns Verhältnisse, die eher einem Manchester-Kapitalismus als einer sozialen Marktwirtschaft gleichen.

Was dagegen spricht

Die Forderung nach Mindestlöhnen mag auf den ersten Blick legitim erscheinen, wenn man sich die Dumpinglöhne anschaut, die manch ein Unternehmen seinen Angestellten auszahlt. Doch der Gedanke ist nicht zu Ende gedacht. Zunächst einmal wird kein Arbeitnehmer aufgrund eines Mindestlohnes über wesentlich mehr Geld verfügen. Die bisher durch die Arbeitsagentur aufgestockten Löhne müsste dann das Unternehmen selbst zahlen. Hier stellt sich die Frage, ob diese dazu überhaupt in der Lage sein werden. Sicher existieren schwarze Schafe auf der Arbeitgeberseite, die ihre Mitarbeiter ohne soziales Gewissen aus purem Eigennutz ausbeuten. Auf der anderen Seite ist es vielen Mittelständlern oder Einzelhändlern gar nicht möglich, allen Angestellten einen Mindestlohn zu zahlen. Sie werden es nur dann können, wenn sie ihren Personalbestand reduzieren, sprich Mitarbeiter entlassen. Der Ausweg, entsprechende Produkte oder Dienstleistungen zu verteuern, wäre zwar ebenso eine Möglichkeit. Konkurrenz- und damit verbundener Kostendruck würden diesen Weg jedoch unmöglich machen. Unter dem Strich würde der Mindestlohn somit zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit führen. Davon wären zunächst gering bzw. schlecht qualifizierte Mitarbeiter betroffen, die dadurch in den Strudel Arbeitslosigkeit bzw. Hartz-IV rutschen werden. Vor allem die Angestellten der Zeitarbeitsbranche würde man damit treffen. Für Langzeitarbeitslose bietet diese nicht selten die einzige Möglichkeit, wieder ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis in Vollzeit aufzunehmen. Die Konsequenz? Der Staat, der durch eine Lohnuntergrenze eigentlich entlastet werden sollte, müsste erneut einspringen. Das trifft letztendlich den Steuerzahler und somit uns alle. In Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs würde sich dieses Szenario gar noch weiter verstärken.

Fazit

Ob der Mindestlohn kommen muss oder ob er marktwirtschaftlicher Unsinn ist, das lässt sich abschließend mehr schlecht als recht beurteilen. Das Für und Wider in der deutschen Politik trägt fast schon ideologisch Züge. Befürworter werden schnell als „linke Schwätzer“ abgestempelt. Andersherum wird Gegnern oft die Nähe zu einem „unbelehrbaren Neoliberalismus“ bescheinigt. Sicher ist, dass mancherorts gezahlte Löhne einer Ausbeutung gleichkommen, die als längst überwunden galt. Sicher ist aber auch, dass Mindestlöhne nicht das Non plus Ultra sein können. Negative Konsequenzen für den Arbeitsmarkt sind durchaus möglich, wenn auch zurzeit nur theoretischer Natur. Wie die Debatte am Ende ausgehen wird hängt auch vom Wähler ab. Rot-grün würde ihn wohl ziemlich sicher einführen – wenn sie sich gegen die Lobbyisten durchsetzen können. Vielleicht bedarf es auch einfach eines Versuchs, um den Beweis antreten zu können. Warum also nicht den Mindestlohn für einen (vorerst) begrenzten Zeitraum von zwei Jahren einführen? Bezugsberechtigt wäre jeder, der über eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. über einen Hochschulabschluss verfügt. Nach 18 Monaten könnte man die Lage analysieren und entscheiden, ob er mehr genutzt oder geschadet hat.

26.
Sep

Der Offenbarungseid der Sozialpolitik

Nun ist die Katze aus dem Sack. Fünf Euro mehr dürfen es sein – für Empfänger des Arbeitslosengeldes II – landläufig auch Hartz-IV genannt. Am Ende wird man es wohl als Erhöhung i.H.v. etwa 25 Euro verkaufen, da man den Bedarf an Alkohol und Tabak, der bisher bei ca. 20 Euro lag, nicht mehr berücksichtigt.

Mit diesem Schritt hat die Bundesregierung erneut bewiesen, dass die Sozialgesetzgebung nicht nach dem Wohle des Volkes sondern nach Kassenlage und ideologischen bzw. parteipolitischen Partikularinteressen durchgeführt wird. Einen Vorgeschmack haben wir im Rahmen der sog. Gesundheitsreform erhalten, die eine einseitige Zusatzbelastung der Arbeitnehmer und Rentner zur Folge hat. Die nun beschlossene Hartz-IV-Erhöhung um fünf Euro setzt dem Ganzen eine unrühmliche Krone auf! Der Beschluss ist nicht nur peinlich sondern ein handfester sozialpolitischer Skandal und das Eingeständnis politischen Versagens! Man hat wahrscheinlich so lange hin und her gerechnet, bis man ungefähr bei dem bisherigen Satz angelangt war. Geschickt rechnet man Zigaretten und Alkoholkonsum heraus und legt ein paar Euro als gnädige Gabe obendrauf. Gespannt darf man sein, wenn die Bundesregierung die Berechnung des neuen Bedarfs offenlegt.

Noch skandalöser sind die Begründungen, weswegen man einer deutlicheren Anhebung aus dem Weg geht. So heißt es, dass durch einen zu hohen Hartz-IV-Satz der Anreiz eine reguläre Beschäftigung aufzunehmen nicht gegeben sei. Das mag auf den ersten Blick richtig erscheinen zeigt aber nur auf, dass die regulären Löhne – auch aufgrund einer zunehmenden Anzahl an Leiharbeitern – schlichtweg zu niedrig sind. Und wer argumentiert, dass man Rentnern nicht Nullrunden zumuten könne, wenn man gleichzeitig Hartz-IV-Empfängern die Bezüge anhebt, der legt nur offen, dass die Rentenpolitik der letzten Jahre und Jahrzehnte gescheitert ist. Denn auch das Thema Altersarmut wird irgendwann auf die Agenda kommen.

Politik wird nicht mehr für alle gemacht. Politik wird auf Kosten jener durchgedrückt, die sich nicht wehren können. Die (leider) weit verbreitete Meinung, dass Hartz-IV-Empfänger zu faul oder unqualifiziert sind und sich nicht um eine Beschäftigung bemühen, ist einfach nur falsch und diskriminierend. Sicher gibt es schwarze Schafe – aber die gibt es überall. Wohlmöglich müsste man vielen Managern und Politkern die Gehälter rigoros zusammenstreichen, wenn man diesen Grundsatz auf alle Menschen anwenden würde. Dass der Staat sparen muss ist nicht zu bestreiten. Dass diese Last auf mehrere Schultern verteilt werden muss ist ebenso richtig. Jedoch kann man nicht die Schwächsten unter den Schwachen übermäßig belasten. Bis heute hört man nämlich nichts von einem höheren Spitzensteuersatz, einer Vermögensteuer oder höheren Steuern für Kapitalgesellschaften. Die einst angekündigte Finanztransaktionssteuer scheint auch im Stadium eines Papiertigers zu verweilen. Wenn dann noch nahezu zeitgleich hohe Pensionen für Banker der Hypo Real Estate durch unsere Exekutive abgenickt werden, so darf man sich nicht wundern, wenn im Volk Unmut zu Wut mutiert.

Gut möglich, dass dieser peinliche Beschluss aber auch als “großer Wurf” angepriesen wird. Schließlich hat Angela Merkel auch die Verlängerung der AKW-Laufzeiten als “Revolution” gerühmt…

29.
Aug

Steuern rauf!

Spitzensteuersatz hoch auf 49%, private Vermögensteuer einführen. Das sind zwei Kernelemente des SPD-Arbeitspapieres “Deutschland besser regieren” – und vielleicht auch  Vorboten eines möglichen Wahlprogrammes für die nächste Bundestagswahl?! Seltsam mutet es auf den ersten Blick an. War es doch die rot-grüne Regierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder, die die Einkommensteuer auf das heutige Niveau gesenkt hat. Nach Hartz-IV und Rente mit 67 kassieren die Sozialdemokraten nun ein weiteres Mal ihre eigenen Gesetze und Beschlüsse ein. “Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern” aber auch „Man kann immer seinen Standpunkt ändern, weil dir niemand verbieten kann, klüger zu werden“ hieß es einst aus dem Mund Konrad Adenauers. Insofern – Schwamm drüber. Aber brauchen wir überhaupt höhere Steuern?

Schulden, Schulden, Schulden…

Um diese Frage zu beantworten muss man sich nur den Staatshaushalt des Bundes ansehen. Jahrzehntelanges Wirtschaften über die Verhältnisse hinaus, Wiedervereinigung, Finanzkrise, Rettungsschirm für klamme EU-Staaten… Staatsschulden sind zur Normalität geworden. Kredite sind jedoch nicht umsonst. Angesichts eines Schuldenstandes im Billionenbereich verwundert es nicht, dass alleine die Zinsbelastung für den Bund im Jahr 2010 bei fast 40 Milliarden Euro liegt! Damit belegt dieser Ausgabenblock einen unrühmlichen zweiten Platz im Bundeshaushalt – nur für den Bereich Arbeit & Soziales wird mehr Geld ausgegeben. Für die Handlungsfähigkeit eines Staates sind solche Zahlen verheerend! Und jeder weitere Euro Schuldenzuwachs erhöht auch die zusätzliche Zinsbelastung. Um einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden, reicht Wirtschaftswachstum alleine nicht aus. Darüber hinausgehend hat man jedoch nur zwei logische Möglichkeiten: Entweder man verbessert die Einnahmeseite durch Steuererhöhungen oder man spart überflüssige Ausgaben ein. Letzteres ist bereits im Gange aber gleichzeitig auch nicht endlos fortsetzbar, da sich ein Staat nicht “kaputtsparen” darf. Insofern sind Steuererhöhungen ein notwendiger wenn auch schmerzlicher Schritt.

Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Mehrwertsteuer…

Bei den hohen und höchsten Einkommen anzusetzen macht Sinn. Zusätzliche Belastungen für Niedrig- und Normalverdiener wären kontraproduktiv und könnten das zarte Pflänzchen Wachstum schnell verwelken lassen. Letztere sollten im Gegenzug eher entlastet werden. Angesichts der Lage der Staatsfinanzen müssen jene den Löwenanteil tragen, die ihn ohne größere Probleme schultern können. Gleiches gilt für die Körperschaftsteuer bei Kapitalgesellschaften. Deren Belastung ist in den letzten 10 Jahren deutlich gesunken. Das absolute Steueraufkommen wird mittlerweile sogar von der Tabaksteuer übertroffen.

Spielraum bietet auch die Erbschaftsteuer. Erben bedeutet prinzipiell nichts anderes, als Vermögenszuwachs ohne großes eigenes Zutun. An dieser Stelle verzichtet der Fiskus jährlich auf mehrere Milliarden Euro. Ein entsprechender Freibetrag sollte die Belastung für Erben des elterlichen Heimes oder Kleinunternehmens jedoch weiterhin so gering wie möglich halten. Ob darüber hinaus eine Vermögensteuer eingeführt werden sollte bleibt abzuwarten. Einerseits sind rechtliche Hindernisse nach heutiger Auffassung nicht vorhanden. Andererseits muss ein vernünftiges Verhältnis zwischen zusätzlichen Einnahmen und Kosten der Eintreibung vorhanden sein. Möglicherweise könnte die Erhöhung der Einkommenssteuer eine zusätzliche Besteuerung auf Vermögen überflüssig machen.

Ebenso muss auch die Mehrwertsteuer ein Thema sein. Die Anhebung des vollen Satzes auf 20% würde Mehreinnahmen im Milliardenbereich nach sich ziehen. Für den Konsumenten wäre die Belastung erträglich. Ein Produkt im Wert von 119 Euro würde sich beispielsweise “nur” um einen Euro verteuern. Gleichzeitig sollten diverse Ausnahmen (Kaviar, Tierfutter, …) für den verminderten Satz i.H.v. 7% abgeschafft bzw. nur noch auf Lebensmittel des täglichen Bedarfs angewendet werden.

Kurzfristige Umsetzung? Negativ!

So sehr die SPD mit ihrem Vorschlag richtig liegen mag – so sehr befindet sie sich bis auf Weiteres noch in der Opposition. Unter der jetzigen schwarz-gelben Regierung sind solche Schritte eher nicht zu erwarten, da die FDP mit dem Versprechen “Steuersenkungen” in die Bundesregierung eingetreten ist. Während das Unterlassen derselbigen noch halbwegs glimpflich verlaufen könnte, würde ein kompletter Umkehrschub den Liberalen wohl den politischen Todesstoß versetzen!

26.
Aug

Wo ist der Aufschwung?

Nun wird man ja fast täglich mit Umfragen zu allen möglichen Themenbereichen in den Medien konfrontiert. Die enorm hohe Anzahl erscheint schon mittlerweile etwas inflationär. Manche bemerkenswerten Fakten mögen dabei sein, aber größtenteils nimmt man die Ergebnisse der Umfragen im Grunde genommen nur zur Kenntnis und vergisst sie dann wieder nach kurzer Zeit. In der letzten Woche war dies etwas anders. Zumindest für mich als überzeugten Demokraten. Die Frage, ob das jetzige Wirtschaftssystem in Deutschland beibehalten werden soll, beantworteten 88% mit Nein. Oder anders ausgedrückt: 88% der Deutschen wünschen sich ein anderes Wirtschaftssystem – wie auch immer dieses ausgestaltet sein mag.

Wenn man ketzerisch wäre, müsste man denjenigen, die dagegen waren zurufen, dass sie doch alle ein wenig undankbar seien oder sie fragen, ob sie keine Nachrichten schauen. Denn hieß es nicht noch vor knapp zwei Wochen, dass der Aufschwung endlich auch in Deutschland messbar angekommen sei? Die Politiker, die Unternehmen und eine ziemlich breite Medienlandschaft überschlugen sich mit Lobeshymnen. „Ein neues Sommermärchen“, „Boom“ waren nur einige der Schlagworte, die man in den Schlagzeilen der Berichterstattung lesen konnte.

Der Aufschwung kommt nicht an

Leiden also diese 88% der Deutschen an Realitätsverlust? Mit Sicherheit nicht. Denn wenn man hinter die Fassade des Wachstums schaut, kommt die große Diskrepanz zwischen dem was als Gesamtergebnis vermeldet wird und dem, was in der Masse bei den Menschen ankommt, zum Vorschein. Meinhard Miegels aktueller Buchtitel „Wohlstand ohne Wachstum“ könnte man hier umdrehen in „Wachstum ohne Wohlstand“. „Quantität statt Qualität“ schreiben die „Nürnberger Nachrichten“ in ihrem aktuellen Kommentar zu diesem Thema. Was hat schließlich Otto Normalbürger davon, wenn die Gewinne bei den großen Banken wieder exorbitant sprudeln?

Der Sozialismus ist gescheitert und hat den Großteil der osteuropäischen Staaten (vor allem die DDR) ruiniert und den Völkern ihrer Freiheit beraubt. Die Entfesselung der freien Märkte (sprich Kapitalismus) hat fast die ganze Welt an den Rand des Abgrunds gebracht. Und die Krise ist noch längst nicht ausgestanden. Billionen Dollars und Euros an Schulden wurden zur Rettung von Banken und sogar von kompletten Volkswirtschaften aufgenommen, um dem totalen Kollaps zu entgehen. Diese enorme Schuldenlast lähmt nicht nur die Sorgenkinder Europas wie Griechenland, Portugal oder Spanien sondern vor allem die großen Weltwirtschaften USA, Deutschland, Japan und Großbritannien. Diese sind für mehrere Generationen in ihrer Handlungsmacht extrem eingeschränkt. Auch wenn die Regierungen nun langsam beginnen, die Finanzmärkte (versuchen) zu bändigen, sehen die Menschen die Gefahr, dass diese Maßnahmen nicht ausreichend sind, um die nächste Krise zu verhindern. Auch diese Befürchtung ist einer der Gründe, warum die Menschen dem jetzigen Wirtschaftssystem mit den handelnden Akteuren nicht mehr trauen.

Auswege?!

Aber gibt es eine Wirtschaftsform, die eine ernstzunehmende Alternative darstellt? Ein Mix zwischen Sozialismus und Kapitalismus, so wie er mehr oder weniger in China existiert? Ich denke nicht, dass dies weder von den 88% gewünscht wird noch dass es tatsächlich in einem Land wie Deutschland realisierbar wäre. Sicher kann man sich darüber Gedanken machen, ob man hier und da mehr Staat zulässt oder in bestimmten Bereichen den Bürgern mehr Eigenverantwortung überlässt. Es muss nur endlich einmal eine klare Linie der Politik erkennbar sein und das über einen längerfristigen Zeitraum. Und es sollten nicht nur permanent Gesetze verabschiedet werden, die dann (eine Lieblingsvokabel der Politikerzunft) regelmäßig nachgebessert werden. Hartz-IV, Rente mit 67, Steuererleichterungen der Hotelbranche oder AKW-Laufzeiten sind nur einige Beispiele. Die Bürger vermissen die Verlässlichkeit und die Stringenz der Entscheidungen. Stattdessen erleben sie alltägliche innerparteiische Streitereien und Kompetenzgerangel. Das Volk fragt sich: „Geht es den Regierenden tatsächlich um das Wohl des Landes oder nur um den Machterhalt?“ oder „DAS sollen Vorbilder sein?“. Wo sind die charismatischen Köpfe, nach denen das Land sich sehnt? Wo sind die von Weizsäckers, die Genschers, die Schröders, die Brandts, die Wehners dieser Republik?

Politiker ohne Ansehen

Es ist symptomatisch, dass in einer anderen Umfrage „Wer verkörpert das Deutschland wie Sie es sich wünschen“ sich auf den ersten vier  Plätzen kein einziger aktuell regierender Politiker befindet. Günther Jauch, Alt-Kanzler Helmut Schmidt, Joachim Löw, Bastian Schweinsteiger… Erst dann kommen Ursula von der Leyen und Karl Theodor zu Guttenberg. Angela Merkel schafft es gerade einmal auf Platz 10. Gleichauf mit Thomas Gottschalk und nur knapp vor Mesut Özil.

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